Mein erster Marathon

Am Sonntag, 21. September 2025, war es so weit. Nach vielen langen und intensiven Trainingseinheiten sowie Vorbereitungsläufen stand mein erster Marathon von 42,195 km an. Die Aufregung war genauso groß, wie das Ziel, in unter 4 Stunden anzukommen. Aber dazu gleich mehr.

Die Idee

Im September 2024 haben Lauffreunde und ich, als Volunteer (ehrenamtlicher Mitarbeiter) beim 50. BMW Berlin Marathon geholfen und konnte so die Stimmung und Atmosphäre eines der größten Marathons der Welt einfangen. Ja, ihr habt richtig gelesen, zum 50. Jubiläum des BMW Berlin Marathons, gab es einen Finisher Rekord von 54.280 Teilnehmern.
Dieser Rekord, ist am 27. April 2025, in London mit sagenhaften 56.640 Finisher nochmal getoppt worden.

Beim Kap-Arkona-Lauf auf Rügen 2024 (Halbmarathon), sind Ulrike (Lauffreundin) und ich auf die Idee gekommen, dass wir uns doch auch für einen Marathon anmelden könnten. Ulrike probiert seit 6 Jahren über das Losverfahren beim London Marathon einen Startplatz zu bekommen, bislang ohne Erfolg.

Die Idee war geboren. Lass uns als Team beim BMW Berlin Marathon 2025 anmelden.Gesagt, getan! Jetzt hieß es von Mitte Oktober 2024 bis zur Bekanntgabe im Dezember 2024 hoffen und Daumen drücken.

Geschafft!
Anfang Dezember 2024 kam die Nachricht vom Veranstalter, dass wir ausgelost worden sind. Nun konnten wir uns vorbereiten, das Training intensivieren und viele Kilometer laufen.

Die Vorbereitung

Über das Jahr 2025 verteilt standen schon einige Laufevents an, die ich gut als schnelle, intensive Trainingseinheiten für die Marathonvorbereitung nutzen konnte. Im April und damit zum Auftakt der Laufsaison, stand der Generali-Berlin Halbmarathon (21.1 km) an. Ein sehr schneller Lauf. 14 Kilometer waren gelaufen, jedoch musste ich etwas Tempo herausnehmen, lief aber dennoch eine neue persönliche Bestzeit von 1:32:20 Stunde.

Drei Wochen später stand schon der nächste Halbmarathon an. Beim Oberelbe-Marathon (21,1 km) verlief die Strecke immer der Elbe entlang, von Pirna nach Dresden. Das Ziel war, dass nach einem Umbau neu eröffnete Heinz-Steyer-Stadion. Mit einer Zeit von 1:37:43 Std lief ich zwar keine neue persönliche Bestzeit, aber ich konnte dieses Event als Vorbereitungslauf sehr gut nutzen.

Im Juli und August hieß es an drei aufeinander folgenden Wochenenden RUN RUN RUN.
Am 20.07.2025 begann es mit dem Hohenschönhauser Gartenlauf über 11 km und einer Zeit von 54:18 Minuten. Am folgenden Samstag, 26.07.2025, war die Adidas Runners – Berlin City Night über 10 km und ich lief eine Zeit von 43:30 Minuten.

Nach den beiden Läufen ging es in den Urlaub, an die Ostsee in Richtung Rügen. Als meine Tochter und ich angekommen waren, ließ ich meinen Körper sich an die frische Seeluft gewöhnen, da am Samstag in Rostock die Hella Marathon Nacht (Halbmarathon über 21,1 km) stattfand. Hier traf ich auch wieder auf Ulrike. Unser letzter gemeinsamer Lauf war im Oktober 2024, beim Kap-Arkona Halbmarathon auf Rügen. Wir wollten den Rostocker Halbmarathon nutzen, um das Renntempo für den Marathon zu testen. Mit Erfolg! Natürlich liefen wir beide schneller und beendeten den Lauf mit einer Zeit von 1:39:12.

Am vorletzten Augustwochenende stand dann die Generalprobe in Berlin an. Halbmarathondistanz (21,1 km) durch die Berliner Westbezirke: Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf. Um mich aktiv auf den Marathon vorzubereiten und nicht wieder zu schnell zu laufen, habe ich die liebe Anette, aus meiner Laufgruppe begleitet und unterstützt. 2:01.39 Std stand am Ende auf der Uhr und vom Gefühl, hätte ich noch weiterlaufen können.

Ich würde behaupten, dass ich gut vorbereitet bin.

letzte Vorbereitungen

In den letzten Wochen vor dem Marathon probierte ich Freunde, Familienmitglieder und oder andere Laufbegeisterte zu finden, welche uns an der Strecke unterstützen würden, in dem sie uns Gels, Salztabletten oder Elektrolyte in Flaschen reichen. Die Planung war, wer steht wo und was braucht man wo, um nicht alles vom Start an dabei zu haben.

Dadurch, dass dies unser erster Marathon war, mussten wir uns das gut überlegen. Da ein guter Freund von mir, uns mit Fahrrad an der Strecke begleiten wollte, konnten wir diesen Punkt entspannter angehen.

Das Rennwochenende

Das Marathonwochenende fing schon am Donnerstag mit dem Start der Expo an. Weil Ulrike erst am Freitag angereist war, sind wir natürlich auch erst am Freitag zur Marathon Expo in den Berliner Messehallen unter dem Funkturm gewesen.

Dort haben wir neben der Abholung der Startnummer, noch einige Merchandise Artikel geshoppt.

Nach einem langen Freitag und knapp 2,5 Stunden auf der Expo verbringen, endete unser Tag mit einer Pasta-Bolognese, anschließend lag ich todmüde im Bett.

Am Samstagmorgen hieß es dann noch einige Besorgungen für den Marathon machen. Die Verpflegungspakete mussten vorbereitet und an die Unterstützer verteilt werden.

Einen 4 km langer Shake out Run, um die Beine zu lockern, legten wir auch noch ein und danach gab es wieder Pasta, nur dieses Ma in Suppenform.

Leider ging es Ulrike nach dem Mittag nicht so gut. Sie klagte über starke Bauch- und Kopfschmerzen. War es die Aufregung, die sich da bemerkbar gemacht hat und kann sie an den Start gehen?

Der Marathon

Gegen 5 Uhr am Morgen klingelte unser Wecker. Mein erster Gang war zu Ulrike, um zu sehen, wie es ihr geht. Der Daumen ging nach oben auf meine Frage: „Ob sie gut geschlafen hat und ob alles in Ordnung sei?“

Dann hieß es Frühstück zubereiten. Wir hatten uns für Porridge und Müsli mit Banane entschieden, damit die Gels nicht auf einen leeren Magen treffen.

Unser Renn-Outfit hatten wir am Samstag schon zurechtgelegt, sodass wir dann nichts mehr suchen mussten.

Kurz vor 6 Uhr ging es dann los. Ab zur S-Bahn, wo wir uns mit Oli, aus meiner Laufgruppe getroffen haben. An der Treppe zum S-Bahnhof stieß ich mir dann noch meinen Zeh an. Dem Ganzen schenkte ich aber keine Bedeutung.

Die S-Bahn kam pünktlich und auf dem Weg zum Hauptbahnhof, gab es auch keine Komplikationen, was in Berlin nicht immer selbstverständlich ist.

Meine Aufregung stieg. Wir liefen vom Hauptbahnhof in Richtung Reichstagswiese, da realisierte ich, dass heute der große Tag ist, wofür ich so lange und hart trainiert habe. Ulrike und Oli wirkten auf mich sehr gelassen und entspannt, aber meine Anspannung stieg immer mehr an.

Wir packten unsere wärmende Kleidung in die Kleiderbeutel, prüften nochmal, ob wir alles für den Lauf haben und gaben die Beutel dann ab. Danach ging es für uns in Richtung Startblöcke, wo ich Daniela und Carsten aus meiner Laufgruppe noch besuchte. Die beiden waren wieder als Volunteer tätig und unterstützen den Veranstalter.
9:15 Uhr die erste Welle mit den Profis und den Startblöcken A – D starten. Nach einem kurzen Plausch ging es für Ulrike und mich dann in unseren Startblock E.

Falls ihr euch jetzt fragt, warum Startblock E, auf seiner Startnummer stand doch Block C. Das ist richtig! Da aber Ulrike sich mit einer etwas langsameren Halbmarathonzeit als ich beworben hat und wir die Anmeldung, sowie die Idee zusammen haben wachsen lassen sagte ich mir: „Wir Starten und Laufen auch das Rennen zusammen!“

Das Rennen

Im Startblock E angekommen, genossen wir die Stimmung und dehnten uns noch. Langsam bewegte sich unser Startblock. Unser Start war mit der 2ten Welle gegen 9:45 Uhr dran. Der Blick fiel immer wieder auf die Uhr.

Noch 15 Minuten!
Noch 10 Minuten!
Noch 5 Minuten!

Hier gab es dann auch das erste Gel für das Rennen.

Die Atmosphäre im Startblock tobte. Noch 1 Minuten bis zum Start. Uhr einstellen und dann hieß es auch schon runterzählen. Das Startsignal ertönte und die Massen setzten sich mit der Siegessäule im Blick in Bewegung. Am Ernst-Reuter-Platz (2,5 km) liefen wir in Richtung Moabit. Weiter ging es durch das Regierungsviertel (7 km) am Bundeskanzleramt vorbei. Nach 8 km ließen wir den Friedrichstadtpalast auf unserer rechten Seite liegen und liefen im großen Bogen auf der Tor- und Mollstraße um den Berliner Fernsehturm herum.

Am U-Bahnhof Schillingstraße (11,5 km) liefen wir direkt am Café Moskau und Kino International vorbei. Dort gab es den ersten eigenen Verpflegungspunkt, wo mir mein Vater, nach ca. 1 Stunde Laufzeit, den ersten Gelnachschub reichte. Vom Strausberger Platz über die Lichtenberger Straße in Richtung Moritzplatz (14,5 km) fühlte sich alles locker und leicht an, bei einer 5:10 Min. Pace.

Es ging weiter durch Neukölln, Kreuzberg und am Rathaus Schöneberg (23,1 km) vorbei. Die Stimmung an und auf der Strecke war der Wahnsinn. Alle jubelten und freuten sich und die Massen trugen einen von Kilometer zu Kilometer. Ab und zu blickte ich auf meine Uhr, um die Pace zu überprüfen, aber auch bei Kilometer 24, hatte ich ein konstantes Tempo von 5:10 Min/km.

Die 30 Kilometermarke kam und man merkte, wie sehr mein Körper kämpfte. Nicht wegen Schmerzen oder der Kondition, sondern einfach nur, wieso muss ich so lange bei so einem hohen Tempo laufen. Mein Kopf sagte dann: „Mach weiter! DU schaffst das!“ Und so war es auch. Umso weiter ich lief, umso mehr wurde der Lauf zur Kopfsache. In keinem Moment des Laufes, habe ich ans Aufgeben gedacht. Sondern ich hatte das Ziel vor Augen, meinen ersten Marathon in Berlin finishen.

Die Temperaturen machte uns Läufern zu schaffen. Wir nutzten jede Wasserstation, um Wasser zu trinken oder aber auch um unseren Körper damit zu kühlen. Ein großer Dank geht auch an Nick, einem Freund von mir, welcher mit seinem Fahrrad an der Strecke gewesen ist und so einem auch zwischendurch Cola, Eistee oder auch Wasser reichen konnte, außerhalb der Verpflegungsstationen des Veranstalters.

Über den Potsdamer Platz (38 km), entlang der Leipziger Straße in Richtung Gendarmenmarkt, sah man immer mehr Läufer an der Strecke sitzen oder auch gehen. Ich ging ebenfalls einige Meter, um den Körper kurz entspannen zu lassen. Bei 41 km realisierte der Körper und Kopf: „Jetzt hast du es gleich geschafft!“ und so mobilisierte man seine letzten Kräfte zusammen.

Die letzte links Kurve.

Einbiegen auf Unter den Linden, durch das Erdinger Alkoholfreier Tor. Die Massen jubelten und feuerten jeden einzelnen Läufer an. Das Brandenburger Tor erschien vor einem und man wusste „ICH HABE ES GESCHAFFT!“. Die gesamte Anspannung der letzten Tage und Wochen fiel wie ein Stein von einem und auch die eine oder andere Freudenträne wurde vergossen.

Ich habe meinen ersten Marathon und damit die weiteste Distanz (42,195 km) in einer Zeit von 3:48:51 Std. zurückgelegt. Ulrike hingegen konnte mit einer Zeit von 3:43:26 Std. glänzen. Leider trennten sich unsere Wege bei 32 km, da ich einen kurzen Zwischenstopp einlegen musste.

Jetzt kann ich mir neue Ziele setzen und versuchen die Zeit zu verbessern.

Ein großes Dankeschön geht an meinen Vater, Tina und Nick, die mich an der Strecke versorgt haben., sowie an alle Helfer vom Veranstalter und nicht zu vergessen, den Zuschauern an der Strecke, die für eine MEGA Stimmung gesorgt haben.

Fazit

Nach dem Lauf ist vor dem Lauf.

Am Sonntag, dem 5. Oktober 2025, sind meine Laufschuhe und ich wieder unterwegs.
Beim Magdeburger Halbmarathon, dort werde ich versuchen, meine Zeit vom letzten Jahr zu verbessern (1:35:15 Std.).

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